12. Juni 2026, sonnig, nachmittags Gewitter.
Heute besuche ich das Alte Missionarshaus Zōshigaya im Bezirk Toshima, Tokio.
Dies ist der Drehort für das Wohnheim im Anime „Kamiina Botan, Yoeru Sugata wa Yuri no Hana“.
Dieses Gebäude wurde im Jahr Meiji 40 (1907) vom amerikanischen Missionar J. M. McCaleb erbaut. McCaleb lebte 34 Jahre in diesem Haus, bis er im Jahr Shōwa 16 (1941) in die USA zurückkehrte. Das Gebäude basiert auf dem für amerikanische Vorstadthäuser des späten 19. Jahrhunderts typischen Schindelstil, während die Details im Carpenter-Gothic-Stil gestaltet sind. Im Inneren sind sowohl das Erdgeschoss als auch das Obergeschoss in T-Form mit jeweils drei Räumen angeordnet. Jeder dieser drei Räume verfügt über einen Kamin, der innerhalb der Wände mit dem Schornstein verbunden ist. Im nordwestlichen Teil des Erdgeschosses befindet sich ein Eingang mit Vorbau, im Norden ein Flur und die Haupttreppe, im Süden eine breite Veranda, die auch als Wintergarten genutzt werden kann, und im Osten eine Nebentreppe. Es handelt sich um ein schlichtes Ausländerhaus mit den Merkmalen amerikanischer Vorstadthäuser der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und ist als eines der wenigen noch erhaltenen Missionarshäuser aus der Meiji-Zeit in Tokio äußerst wertvoll.






Hier beginnt die ganze Geschichte.
Vor dem Betreten werfe ich einen Blick auf die Außenseite des Gebäudes.






360°-Panoramafoto.










360°-Panoramafoto von der Rückseite des Gebäudes.






360°-Panoramafoto von der Seite.
Nun betrete ich offiziell das Innere!


Dieser Raum wurde als Wohn- und Empfangszimmer genutzt. Selbst in diesem schlichten alten Missionarshaus aus der Meiji-Zeit wurden gestalterische Raffinessen eingebracht. Das nach Westen ausgerichtete Erkerfenster verleiht dem Raum eine großzügige Atmosphäre, und der Kaminsims dieses Zimmers ist der einzige Teil des Hauses, der noch im Originalzustand aus der Bauzeit erhalten ist.


Dieser Raum wurde als Esszimmer genutzt. Es heißt, die Mahlzeiten seien damals sehr einfach gewesen, und auf dem Grundstück sollen Mais, Tomaten und anderes Gemüse angebaut worden sein. Links hinten im Esszimmer befindet sich die Küche, in der ein Gasherd stand, auf dem angeblich Brot und Brathähnchen zubereitet wurden. Inmitten der Schlichtheit lassen sich auch einige amerikanische Elemente erkennen.


Die Anordnung der Tische weicht etwas vom Anime ab.



Nachbildungen von Speisen.




Im Anime müsste sich an dieser Stelle der Raum mit dem Weinschrank befinden.
Allerdings weicht die gesamte Gestaltung stark vom Anime ab.
Als Nächstes gehe ich hinauf in den ersten Stock.






Meine Lieblingsszene aus dem Opening.
Es sieht aus wie das Erdgeschoss, ist aber tatsächlich das Obergeschoss!
360°-Panoramafoto.


Tatsächlich gibt es hier keine Tür, sondern ein Fenster.
Diesen Raum nutzte McCaleb als Arbeitszimmer. Während seiner umfangreichen Missions- und Bildungsarbeit hat er hier sicherlich über vieles nachgedacht. McCaleb verfasste Texte über verschiedene Aspekte Japans und schickte sie in die USA, die später in der Missionszeitschrift „The Missionary Messenger“ veröffentlicht wurden.
Die meisten Räume im Obergeschoss dienten früher als Schlafzimmer.
Das passt genau zur Darstellung im Werk!
Obwohl es Schlafzimmer sind, ist ein Bett heute nur noch im Arbeitszimmer zu sehen.
Dieser Raum wurde als Badezimmer genutzt. Dass sich das Bad im Obergeschoss befindet, ist anders als in japanischen Häusern und recht interessant. Man kann sagen, dass dies zeigt, dass das Obergeschoss als privater Bereich genutzt wurde. An der Außenseite des Gebäudes befand sich ein Wassertank, aus dem offenbar Wasser geschöpft und in die Badewanne gefüllt wurde.
Eine Szene, die im Originalwerk bisher nicht vorkommt.
Aber da ich schon einmal hier bin, habe ich sie trotzdem fotografiert!
Das Alte Missionarshaus Zōshigaya liegt in Tokio und ist als Ziel für Anime-Pilgerreisen sehr gut erreichbar.
Das Werk selbst scheint zwar in der Gegend von Chichibu in der Präfektur Saitama zu spielen, doch das Wohnheim als Hauptschauplatz wurde in Tokio aufgenommen.
Wenn man jedoch genauer darüber nachdenkt, besitzt das Viertel Zōshigaya eine ganz eigene Ruhe und Schönheit.
Das Alte Missionarshaus Zōshigaya als markantes westliches Gebäude der Gegend ist tatsächlich ein sehr passender Drehort für einen Anime.
Das war der gesamte Bericht dieser Anime-Pilgerreise.









